
1. Letharg: Das Portrait eines psychischen Totalausfalles
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Reviewed by Metalkatharsis.de [in German]
Spielzeit: 20:05 Min.
Erscheinungsjahr: 2005
Website: www.seuche.cjb.net
Label: Christhunt Productions
Herkunft: Deutschland
...und dann ist es wieder da, dieses schon so oft erlebte Gefühl. Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Kaffeemaschine bedienen, die Augen nochmal schließen oder mich erhängen sollte. Man wacht auf und weiß nicht recht wieso. Wochentags ist es ein Pflichtgefühl, wochends nur eine Kraft, welche einem vorgaukelt, dass es doch besser wäre. So setzt man sich selbst die Maske auf und tut so, als wäre es völlig natürlich am Leben teilzunehmen, und das auch noch als normal zu erachten.
Dann gehe ich zum CD-Player, lege "Letharg" ein und Seuche führt mir all dies vors Gesicht, schlägt es mir geradezu mitten in die Fresse. "Das Portrait eines psychischen Totalausfalls"... ist es ein Tagebuch, welches vom Letharg rezitiert wird? Vielleicht auch eine Illustration des ganz alltäglichen Wahnsinns. Seuche hat viel zu verarbeiten, dies macht er mit Fäulnis ausgezeichnet - wenn man das so sagen kann. Er folgt keinem direkten Konzept, was ihn beschäftigt, das bannt auf Tonträger und schmeißt es hinaus. Wen er damit wohl ansprechen will? Wahrscheinlich nur sich selbst, in der Hoffnung, dass es da draußen eventuell den ein oder anderen gibt, der sich ertappt/berührt fühlt. Dies dürften nicht ganz so viele sein, wie sich vielleicht angesprochen fühlen. Es ist immer eine Gradwanderung solch Konzepte nackt in eine Hülle zu packen und dem Publikum zu präsentieren. Einerseits würde es genügen das Ganze aufzunehmen und in den Schrank zu stellen - die Verarbeitung dürfte ja mit dem Aufnehmen "vorbei" sein. Andererseits macht man Musik um Leute ein stückweit zu erreichen, sich vielleicht auch selbst zu präsentieren. Seuche veröffentlichte sogar die Texte... war das gut so? Jetzt kann jeder dahergelaufene Trottel tief in seinen Geist schauen und lächelnd durch die Zeilen tanzen. Dabei bleibt nichts weiter hängen als das Gefühl, dass es da draußen jemanden gibt, dem es beschissen geht. Dabei hängt doch soviel Schwermut in den Klängen, gibt es soviele in Noten gefasste Dolchstöße, noch so kleinste Saitenanschläge, welche die Bluttemperatur auf weihnachtliche Minuswerte sinken lassen. Dazu die knurrende Stimme, welche vor lauter Verzweiflung gar nicht recht weiß, wie sie nun klingen soll. Seuche beschreibt, skizziert gar, wie man sich fühlt, wenn man psychisch ganz weit unten ist. "Biete karges Leben gegen Tod"... was wäre dies doch für ein grandioser Tausch! Oberflächlich betrachtet sicherlich. Doch was ist, wenn man -und das tut Seuche- hinter die bleierne Fassade schaut? Er hat schon ein wenig Recht, wenn er behauptet, dass die Todessehnsucht nur ein "unbewusstes Anbeten des Lebens" ist. Macht die ganze Sache aber sicher nicht leichter, ganz im Gegenteil. Man sehnt Etwas herbei, was man so schnell -oder gar nie- nicht bekommen wird: ein Leben! All das soll "Letharg" wohl darstellen. Obschon es nur ein kleines Teil vom riesigen, tonnenschweren Puzzle ist, es ist ein Manifest, ein Manifest dahingehend, dass dieses tausendfache Gefühl festgehalten wird. Hat der Letharg einen erstmal auserkoren und packt einen am ganzen Körper, dann gibt es kein zurück! Man kämpft gegen diesen Bastard, und schleichend wird eben dieser Kampf zur absoluten Lebensaufgabe. Vielleicht sogar zum gesamten Lebensinhalt.
Seuche sagte vor dem Erscheinen von "Letharg", dass diese CD alle anderen "Suicidal"-Alben in den schatten stellen wird. Hat er damit Recht? Ein wenig schon! Musikalisch betrachtet fällt es sicher schwer, diese Frage zu bejahen. Wenn man aber die deutliche Sprache als Referenz heranzieht, dann hat er wirklich Recht. Ich habe noch kein Album gehört, welches die Thematik so klar zum Ausdruck bringt. Alle reden nur um den heißen Brei, verlaufen sich in dutzenden Metaphern - nicht, dass dies explizit schlecht wäre. Auf "Letharg" wird aber der gesamte Sachverhalt schonungslos offengelegt. Es geht nicht nur um reine Gedanken, um eine psychische Störung, die nur den Geist zerfrisst, es werden auch die körperlichen Symptome beachtet. Solch ein Zustand zerfrisst Dir die Lunge, die Leber, das Herz, es zerfrisst und zerstört deinen ganzen Körper. Es zerfetzt Dich! Plötzlich bringst Du dich nicht mehr um, weil Du geistig nicht mehrklarkommst, sondern weil Du die körperlichen Qualen nicht mehr aushältst. ... es rast, es verstummt, Du bist taub... Ach...
Fakt ist eines, so gewöhnlich es für manchen oberflächlich hingehört klingen mag, in "Letharg" steckt mehr Blut und Tränen als mancher sich es vorstellen mag. Das hört man einfach, ihr verdammten Wichser. Wenn man dann in einer Rezension einen Burzumvergleich lesen muss, dann kann einen ja nur die letzte Mahlzeit aus dem Gesicht schießen, igitt!
Sicher, "Cholerik" war ein klein wenig anders, avantgardistischer, unkonventioneller. Doch man darf "Letharg" nicht unterschätzen. Allein der Charakter, welche die 20 Minuten und 5 Sekunden versprühen ist in seiner Form einzigartig. Der Anfang als aufbrausendes Gewitter einer Erkennung einer psychischen Störung, der (sozusagen) Auflistung körperliche Symptome, der gesprochene, trockene Mittelteil als "Werkschau" einer sehr tiefen Depression, und letztendlich das abermalige Aufbäumen gegen eben diese und abschließend das abrupte Ende mit der niederschmetternden Erkenntnis Nichts zu sein. Wie bitter muss so ein Album eigentlich mitspielen...? Scheiße, da haut es einen ja das Hirn aus dem Kopfe. Das macht es ebenfalls bei dem Gedanken, dass "Letharg" über Christhunt Productions erschien. Ich hätte "Letharg" lieber bei NeoKlasSick gesehen, und damit werde ich nicht alleine sein. Doch was soll es... scheiß' ich drauf! "Letharg" ist so ausgefallen, wie Seuche es wollte, mehr zählt fast nicht. Eines hoffe ich, und das aus tiefsten Herzen, dass Fäulnis nicht zu einer "Ich bin so cool drauf, weil ich das höre"-Band verkommt. Fäulnis ist (und bleibt es hoffentlich auch) eine Band, welche nur wenige Zerbrochene verstehen werden. Oder, um es mit Seuches Worten wiederzugeben: "Fäulnis lebt nicht in eurer Welt!" Vergesst diese Welt, zieht euch zurück, genießt es, solange ihr noch könnt. Niemand kann es nehmen, niemand wird es je verstehen, und -verdammt nochmal- niemand hat sich da einzumischen. Aaaaaaaaah, fickt euch...!
Schluss!
Review By Schwermetal.ch
Morbides Kinderlachen erklingt und mein Peiniger beginnt mich zu malträtieren. Langsam streicht er seine kranken Finger in unaufhörlichem hin und her über meine stählerne Haut. Erst schleppend, dann raffelnd. Ich schreie in diesem fiesen Suizidalton schwarzmetallischer Schwerkunst und lasse mich von meinem eigenen Klang in die Lethargie treiben.
Ich komme im Zustand schmerzenden Gleichmuts an. Um mich herum herrscht Fäulnis: Mein Schänder flüstert, erzählt und schreit gequält von seinem Niedergang. Seine deutsche Lyrik erzählt vom beginnenden Sterben, von sägiger Leere und tiefer Depression. Kaum andere Schinder hätten diese gefühllose Melancholie, dieses Nichts in einer verbleichten Gegenwart, das Ringen gegen die Zeit inmitten einer tiefgrauen Kulisse, ergreifender artikulieren können. Nach marodem Orgelklang, hintergründlich begleitet von schauerlichen Klängen, spricht die Seuche zu mir: "Der Tag beginnt. Schon mit dem ersten Zucken der Glieder legt sich ein altbekannter Schatten über den Geist. Der Körper beginnt fremd zu wirken und jeder Versuch, sich mittels physischer Kraft von der Psychose zu trennen endet in schwindelerregendem Taumel." Die Seuche klagt begleitet von fiesem Rauschen vom Beginn eines Endes, bevor kurz nach der blutigen Ekstase als Resultats eines langen Kampfes mit sich selbst die nächste Torturperiode über mich hereinbricht.
Mein Herr versteht es mich zu martern. So gebe ich in fiesen Klängen solistische Nuancen von mir. Nahe dem Zerreissen vernehme ich die letzten Klänge des monoton rituellen Schlagzeugs, bis diese hinter einem Schleier unendlicher Fahlheit entschwinden. Ich zerreise und verklinge in sägendem Rauschen - nach mir die ewige Nacht: Wer war ich?
Side Info by Me: Released as Tape or CD. The Tape-Version is Sold Out. The CD is coming with a Slipcase.
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