90 TRUE_BM: Darkthrone - The Cult Is Alive

Dienstag, 5. Juni 2007

Darkthrone - The Cult Is Alive





1. The Cult Of Goliath
2. Too Old Too Cold
3. Atomic Coming
4. Graveyard Slut
5. Underdogs And Overlords
6. Whisky Funeral
7. De Underjordiske (Ælia Capitolina)
8. Tyster På Gud
9. Shut Up
10. Forebyggende Krig

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Review in German [by Metalglory.com]

Darkthrone holy Darkthrone! Keine Frage, der Kult, der seit den frühen Neunzigern um Darkthrone aufgebaut wurde, kennt beinahe keine Grenzen. Kultische Verehrung, ehrfürchtiges Raunen, gottgleiche Behandlung: Wenn Fenriz und Nocturno Culto gewusst hätten, was sie da lostreten würden, als sie sich vom Death Metal verabschiedeten, sie hätten wohl sofort ihre Instrumente verbrannt oder nur noch in lokalen Rockkapellen gespielt. 2006 endlich, 15 Jahre nach der Veröffentlichung des Genre-Ecksteins „A Blaze In The Northern Sky“, erkennen Darkthrone die Zeichen der Zeit und nutzen ihren Kultstaus endlich (!) aus. Sie kehren in den Schoß ihres früheren „Arbeitgebers“ Peaceville zurück (ist das Bier in Norwegen doch so teuer, dass jetzt mehr Kohle kommen muss?), drehen ein Video und veröffentlichen eine Single. Ja, eine Single! Man hat förmlich den Aufschrei pubertierender Neu-Blackmetaller oder ewiggestriger Mitläufer vernommen, die so etwas ja gar nicht verstehen und gleich munter begonnen haben (nachzulesen in diversen „elitären“ Foren, die sich in Sachen Niveau fleißig gegenseitig unterbieten), Darkthrone Ausverkauf und Verrat an der Black Metal-Szene vorzuwerfen. Witzig, nicht? Sie sollen also Verrat an einer Szene begehen, die erst durch sie in dieser Form begründet wurde? Doch über so etwas denkt der durchschnittliche Hanswurst eben nicht nach, Hauptsache blind Parolen raus schreien. Wer Darkthrone jedoch kennt und deren Karriere nicht erst seit drei Jahren verfolgt, wird wissen, dass Fenriz und Nocturno Culto seit jeher einen Dreck auf ihren Kult gegeben haben, das veröffentlicht haben, was sie wollten und wann sie es wollten. Eine Zeitlang war es eben Death Metal, dann ungemein genialer Black Metal, nur um sich in der letzten Dekade mehr und mehr dem wahren Spirit, der Wurzel alles Bösen zu nähern: Punkiges, rotzig-rockiges, doomiges und thrashiges fand den Weg auf die neueren Darkthrone-Scheiben, und dies erreicht auf „The Cult Is Alive“ seinen vorläufigen Höhepunkt. Musik zum Biertrinken, Musik zum moshen, Musik zum rocken ist es geworden, was uns Darkthrone auf ihrem neuen Werk vorsetzen, gleich mit der Single „Too Old, Too Cold“ unmissverständlich klarmachend, was man von der heutigen Black Metal-Szene hält. Nicht so viel, kann ich euch sagen, mehr denn je strecken uns Darkthrone den Mittelfinger entgegen. „You call your Metal Black?“, kotzt sich Nocturno im Singletrack aus und gibt die Marschrichtung für die zehn Stücke vor. Ist es Black Metal? Eigentlich stellt sich diese Frage nicht, denn eine Band, die diesen Musikstil, wie wir ihm heute frönen, quasi begründet hat, sollte sich nicht mit solch kleinlichen Haarspaltereien aufhalten. Fakt ist, dass Darkthrone anno 2006 verdammt schrammeligen Old-School-Black Metal (mit Old School sind in diesem falle die Achtziger gemeint) mit groovendem Rockdrive und rotzigem Punk-Geschredder verbinden und auch gesangstechnisch betont roh und auskotzend zu Werke gehen. Gerade ein Blastbeat hat es auf die Scheibe geschafft, ansonsten wird „The Cult Is Alive“ von schleppenden Midtempo-Kriechern und flotten Uptempo-Rumpeleien beherrscht, die einfach verdammt noch mal nach vorne gehen. Darkthrone rocken, und wie! Mal wird Fenriz ans Mikro gelassen („Graveyard Slut“), mal wird auf Norwegisch krakeelt, mal illustre Gastmusiker ins „Studio“ eingeladen, doch immer bewahrt man sich eine verdammt coole „I don’t care“-Attitüde, die man einfach gern haben muss und mehr denn je Bands wie Venom, Celtic Frost oder guten alten Punkrock zitiert! Sonnenbrille raus, Bier aufgemacht und abgerockt, lautet die Devise und dann ab zum nächsten engstirnigen „wahren“ Black Metaller, um ihn auszulachen, weil er so ein verdammt cooles und ehrliches Album nicht gut finden darf. Es wurde wirklich Zeit, dass Darkthrone beginnen, von ihrem Status zu profitieren. Und wer weiß, vielleicht kann Fenriz ja eines Tages sogar seine Anstellung bei der Post aufgeben, weil er mit Darkthrone genug verdient. Wünschen wir es ihm, denn der Kult ist lebendiger denn je!